Wie „weird” wird Ihr Weihnachten?

Kennen Sie das Buch von Joseph Henrich „The WEIRDest People in the World“, dessen deutsche Übersetzung unter dem Titel „Die seltsamsten Menschen der Welt“ auf den Markt kam? In der Übersetzung geht leider ein entscheidender Begriff verloren und zwar WEIRD. Weird lässt sich mit den deutschen Adjektiven seltsam oder sonderbar übersetzen, aber damit wird man der Bedeutung, die dieser Begriff in diesem Werk hat, nicht umfassend gerecht. Denn WEIRD wird auch als Abkürzung für Western, Educated, Industrialized, Rich und Democratic verwendet. In diesem Buch wird der Frage nachgegangen, worauf sich Kulturunterschiede stützen. Interessanterweise wird in dem Buch die These vertreten, dass die katholisches Heiratsgesetze an der Wiege des westlichen Menschen standen, den man als modern zu bezeichnen pflegte. Etwas vereinfacht ausgedrückt lautet die Argumentation in dem Buch folgendermaßen: Die katholische Kirche hat Vielehen sowie das Heiraten von Cousins und Cousinen verboten und damit verwandtschaftliche Geflechte aufgelöst wie sie in Stammesgesellschaften vorherrschen. Dadurch hat sie u.a. den Weg für die Entdeckungsreisenden bereitet. Losgelöst von der fest verankerten Eingebundenheit in die Gemeinschaft sind sich westliche Abenteurer losgezogen und haben die Welt kolonialisiert. So könnte man die Aussage dieses 900-seitigen Buches etwas pointiert ausdrücken. Gerade im Hinblick auf Weihnachten ist das eine interessante These. Hat die katholische Kirche damit unbeabsichtigt den Individualismus vorangetrieben? Gleichzeitig entstammt das Weihnachtsfest selbstredend der christlichen Tradition, aber eben auch die Fliehkräfte, die viele Menschen spüren, die sich dem ganzen Fest am liebsten entziehen.

Wenn man Henrichs faszinierender These Glauben schenken will, hat uns also die katholische Kirche ein wohlbekanntes Dilemma beschert und zwar weil sie einerseits Weihnachten und andererseits auch unsere individualistischen Bestrebungen in die Welt gebracht hat.

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Erfrischende und ansprechende Weihnachtskarte verschicken

Anstatt eine traditionelle Weihnachtskarte zu verschicken, könnten Sie eine Karte erstellen, auf der dieses Spannungsfeld zum Ausdruck kommt und deshalb möglicherweise besseren

Anklang findet. Dabei kann es sich um eine Karte für Ihre Verwandten handeln oder aber auch um eine Karte an Freunde sozusagen an die modernen, selbst gewählten Verwandten. Es mag ein wenig widersprüchlich erscheinen, wenn man auf diese Weise traditionelle Feiertage dafür nutzt, moderne soziale Gefüge zu festigen.

Wie wäre es mit einem unkonventionellen Baum und einer unkonventionellen Weihnachtskarte?

Zu einer unkonventionellen Weihnachtskarte passt natürlich auch ein moderner Zimmerschmuck. Aus ökologischen Gründen verzichten immer mehr Leute auf einen Weihnachtsbaum. Sie lassen sich dafür etwas Besonderes einfallen und bauen zum Beispiel einen Baum, indem Sie Restmaterialien wiederverwerten. Einen solchen „Pseudo-Weihnachtsbaum“ könnten Sie dann also Motiv für Ihre Weihnachtskarte einsetzen und darauf könnten Sie zum Beispiel Folgendes schreiben:

Weihnachten für Weirdos (frei nach Joseph Henrich)!

Nenne es christliche Nächstenliebe oder prosoziales Verhaltensmuster – jedenfalls finde ich es toll, dass du zu meinem Freundeskreis gehörst und ich mich immer auf dich verlassen kann!

Ich wünsche dir ein frohes Fest unter der Decke oder dem Weihnachtsbaum.

 

 

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